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Ohne Bitcoin-Mining-Anlage in Norwegen steigt der Strompreis?

Ohne Bitcoin-Mining-Anlage in Norwegen steigt der Strompreis?

BlocktrainerBlocktrainer2024/09/15 15:54
Von:Blocktrainer

Laut Medienberichten hat die Gemeinde Hadsel in der Provinz Nordland im Norden Norwegens dem lokalen Unternehmen Stokmarknes Datasenter die Genehmigung für den Betrieb einer Bitcoin - Mining -Anlage entzogen. Weil der Betrieb der Anlage eingestellt wurde, müssen die Bewohner der Gemeinde nun 20 Prozent mehr für ihren Strom bezahlen.

Für viele Bitcoin-Anhänger und Mining-Aktivisten ist diese Nachricht ein weiterer Beweis für die Vorteile des Bitcoin-Minings. Demnach würden mit Bitcoin-Mining-Anlagen die Strompreise für alle sinken.

Power bills increased by $300 per year for each home in a Norwegian town after the local #bitcoin miner shut down.

The miner paid 20% of the area's grid fees, thus subsidizing other consumers. With the miner gone, people's power bills are skyrocketing. https://t.co/otWU7NHRQB pic.twitter.com/wRSX1radWi

— Jaran Mellerud ⛏️ (@JMellerud) September 14, 2024

Nach der Schließung des örtlichen #Bitcoin-Mining-Unternehmens stiegen die Stromrechnungen für jedes Haus in einer norwegischen Stadt um 300 US-Dollar pro Jahr.

Der Miner zahlte 20 Prozent der Netzgebühren der Region und subventionierte damit andere Verbraucher. Ohne den Miner steigen die Stromrechnungen der Menschen ins Unermessliche.
Jaran Mellerud, Mitgründer von Hashlabs Mining und Bitcoin-Forscher

Der Bitcoin- und Umweltaktivist Daniel Batten lobt sogar die journalistische Arbeit der beiden Autoren, die das Bitcoin-Mining korrekt darstellen würden.

We are emerging from the dark night of media hitpieces that accompanies all disruptive technology and entering into the daylight of real journalism on Bitcoin

Kudos to @MGuttorm Andreas Budale for their effort to understand Bitcoin first, write second https://t.co/ju9gNkNEV3 pic.twitter.com/QRWeloMsV1

— Daniel Batten (@DSBatten) September 14, 2024

Wir verlassen die dunkle Nacht der Medienschelte, die alle disruptiven Technologien begleiten, und betreten das Tageslicht des echten Journalismus zum Thema Bitcoin.
Ein großes Lob an @MGuttorm und Andreas Budale für ihre Bemühungen, Bitcoin zuerst zu verstehen und dann zu schreiben.
Daniel Batten

Doch wenn man sich näher mit dem Thema beschäftigt, wirken manche Kommentare sehr komisch.

Die eigentlichen Gründe

Es ist korrekt, dass die Stromkosten der Bewohner mit der Bitcoin-Mining-Anlage günstiger waren als ohne den großen Stromabnehmer. Aus den verfügbaren Quellen geht jedoch nicht eindeutig hervor, dass dies auch an dem besonderen Energieverbrauchsmuster beziehungsweise an der Flexibilität der Mining-Anlage liegt, mit der auch Strompreisschwankungen stabilisiert werden können. Derartige Preisschwankungen treten vor allem bei Stromknappheit sowie Engpässen in den Übertragungsleitungen (hoher Preis) oder bei einem Überangebot (niedriger Preis) auf. Die Miner sind so flexibel, um genau darauf zu reagieren, stabilisieren dadurch die Preisschwankungen und könnten so auch für günstigere Preise für andere Teilnehmer sorgen.

Jedoch werden die Stabilisierung des Netzes und der Preise oder die Nachfragereduktion bei Demand-Response-Programmen mithilfe des Bitcoin-Mining-Unternehmens, wie sie zum Beispiel in Texas Anwendung finden, in der Pressemitteilung von dem Netzbetreiber Noranett nicht erwähnt.

Noranett nutzt vor allem Energie aus Wasserkraft, die nicht so einen ausgeprägten intermittierenden Charakter besitzt wie die Solar- oder Windenergie. Somit ist die Flexibilität der Miner, die die Branche von anderen großen Stromabnehmern unterscheidet , nicht unbedingt entscheidend.

Es geht einzig und allein um die finanziellen Verluste, die sich für den Netzbetreiber durch den Verlust eines großen Abnehmers ergeben. Die Mining-Anlage hatte einen jährlichen Verbrauch von rund 80 Gigawattstunden. Dies entspricht ungefähr 3200 Haushalten. Da für den allgemeinen Strompreisanstieg in der Region letztlich „nur“ die fehlende Abnahme von Strom verantwortlich ist, hätte es aber auch ein anderer großer Stromabnehmer, wie ein Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz (KI) oder eine Aluminiumverarbeitungsanlage, sein können.

Das Norwegian Water Resources and Energy Directorate (auf Norwegisch: Norges vassdrags- og energidirektorat) oder kurz NVE ist die Behörde in Norwegen, die die Stromnetze reguliert und überwacht. Sie legt auch die jährlichen Einkommensobergrenzen für die Netzbetreiber fest. Da der Netzbetreiber Noranett in der Gemeinde Hadsel mit der Betriebsschließung des Mining-Unternehmens 20 Prozent weniger Einnahmen verzeichnet, die dann für die Verwaltung und Wartung der Anlagen fehlen, sollen ab sofort alle anderen Teilnehmer zwischen 2.500 und 3.000 NOK (200-300 US-Dollar) pro Jahr mehr bezahlen, bis ein alternativer Stromgroßabnehmer gefunden wurde.

Wenn wir den größten Kunden in Hadsel verlieren, hat das leider Folgen für uns alle.
Robin Jakobsen, Netzmanager von Noranett

Würde der Netzbetreiber nicht auf seine Einnahmen bestehen, müssten die Bewohner nicht mehr zahlen. Zudem könnte ein anderer Stromabnehmer die erhöhten Kosten wieder reduzieren. Dieser muss aber nicht unbedingt ein Bitcoin-Mining-Unternehmen sein. Der Bürgermeister Kjell-Børge Freiberg sucht bereits nach einer Alternative. Die Bemerkung des Mitbegründers von Hashlabs Mining Jaran Mellerud, dass „die Stromrechnungen der Menschen ohne die Miner ins Unermessliche steigen“ würden, ist also mehr als übertrieben.

Bitcoin-Mining-Anlage musste weichen

Die Bitcoin-Aktivisten lassen in ihren Kommentaren auch die Tatsache unter den Tisch fallen, warum das Mining-Unternehmen überhaupt seinen Betrieb einstellen musste. Die Gemeinde war im Jahr 2022 noch sehr positiv gestimmt, als der Betrieb der Mining-Anlage gestartet wurde. Doch die Lärmbelästigung der luftgekühlten ASIC -Miner war für viele Gemeindebewohner unaushaltbar. Sie wurden „wütend und verzweifelt“ und selbst eigens errichtete Lärmschutzwände haben ihnen nicht geholfen. Anscheinend hat das Mining-Unternehmen keine finanziellen Mittel mehr für die Umstellung auf die nahezu geräuschlose Immersionskühlung aufbringen können. Es ist also mehr als nachvollziehbar, dass das Bitcoin-Mining-Unternehmen seinen Betrieb in Hadsel nicht fortsetzen konnte.

Kritik an Bitcoin-Aktivisten

Der Fall der kleinen norwegischen Gemeinde Hadsel zeigt, dass Bitcoin-Mining-Unternehmen aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs die Strompreise für die anderen Netzteilnehmer reduzieren können – vor allem in einem System, das vorher die jährlichen Einkommen der Netzbetreiber festlegt. Doch diese Funktion können auch andere große Stromabnehmer erfüllen. In diesem Fall ist der Netzbetreiber nicht auf die Besonderheit der Mining-Anlagen – das heißt ihre Flexibilität – angewiesen. Demnach ist es falsch, die günstigeren Strompreise nur mit den Mining-Anlagen zu begründen, so wie es die Bitcoin-Aktivisten in den sozialen Netzwerken getan haben.

Sicherlich fungierte das Bitcoin-Mining-Unternehmen in Hadsel als Abnehmer überschüssiger Energie, der für zusätzliche Einnahmen des Netzbetreibers sorgte. Aufgrund der festgelegten Einkommensobergrenzen für die Netzbetreiber konnte dadurch die gesamte Gemeinde Hadsel von günstigeren Strompreisen profitieren. Doch das Beispiel in Hadsel ist vielmehr ein Resultat falscher Stadtplanung. Es sollte klar geworden sein, dass bei der Planung derartiger Anlagen auch die potenzielle Lärmbelastung beachtet werden sollte, damit es nicht zu Konflikten zwischen den Mining-Unternehmen und der Bevölkerung kommt.

Nichtsdestotrotz verdient die Arbeit der Bitcoin-Aktivisten großen Respekt. Es ist jedoch schade, dass einige Themen manchmal sehr einseitig betrachtet werden und sich dabei Ungenauigkeiten einschleichen.

Als weiteres Beispiel könnte man einige Ausführungen von Daniel Batten über das Mining-Verbot in China anführen. Im Gegensatz zu vielen Experten meint Batten, dass die westlichen Medien diesbezüglich eine Desinformationskampagne gegen Bitcoin und China durchführen würden. Dabei wurden von ihm jedoch auch einige Aspekte ignoriert oder aus dem Zusammenhang gerissen, damit es ins eigene Narrativ passt.

Damit die eigene Glaubwürdigkeit so wenig wie möglich Angriffsfläche bietet, ist es hilfreich, bei der Verbreitung des eigenen Narratives darauf zu achten, Dinge nicht künstlich schönzureden oder schlechtzumachen oder bestimmte Fakten, die nicht ins eigene Narrativ passen, zu ignorieren. Dies stellt die Bitcoin-Aktivisten in ein Licht, das ihnen eigentlich nicht gerecht wird. Denn die Vorteile von Bitcoin und vom Bitcoin-Mining für die Umwelt und Gesellschaft sprechen für sich.

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